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Henry Nitzsche – Früher CDU, heute IfS

Diesen Redebeitrag haben wir zur Demonstration „Keine Ruhe dem IfS – Für die Freiheit, gegen den autoritären Wahn“ am 16.09.2017 nach Schnellroda mitgebracht und dort verlesen. Den Rückblick von NoHalgida und eine Liste aller Redebeiträge findet ihr hier.

Liebe Antifaschist*innen in Schnellroda,

wir freuen uns, heute wieder hier zu sein – nicht über den Anlass, aber über die Menschen, die hier regelmäßig starken Protest gegen das „Institut für Staatspolitik“ organisieren. Und nochmal mehr freuen wir uns, dass ihr alle hier seid. Wir sind die Gruppe Kaltland-Reisen, kommen aus Sachsen und erschrecken selber immer wieder, wie viel damit schon gesagt ist. Sachsen hat sich in den vergangenen Jahren noch einmal kräftig ins Zeug gelegt, die braun schillernde Position des besten Beispiels für eine Region mit dauerhafter rassistischer Mobilmachung bis hin zur Pogromstimmung einzunehmen. Sachsen ist immer wieder beispielhaft für menschenverachtende Aufmärsche und Anschläge – und für eine Politik die all das duldet und mit befeuert.

So wundert es nicht, dass sächsische CDU-Politiker den rechten Rand nicht als Tabu betrachten, sondern eher als spannenden Fischgrund mit Kuschelfaktor. Diejenigen unter ihnen, denen regelmäßige Treffen mit der NPD, Verharmlosung rassistischer Gewalttaten und die Kriminalisierung antifaschistischer Proteste noch nicht reichen, verlassen schließlich die CDU. Sie legen jegliche Scheu vor menschenfeindlichen Bekundungen und Forderungen ab und landen schließlich… hier, beim „Institut für Staatspolitik“. Im vergangenen Jahr war bereits Maximilian Krah, der erst einige Wochen zuvor aus der sächsischen CDU austrat, als Redner geladen, heute referiert hier mit Henry Nitzsche eine weitere Person, die mit ihrerer Biografie exemplarisch für den jüngsten Rechtsruck und seine Vorbereitung steht.

Henry Nitzsche war von 1993 bis 2006 nicht nur Mitglied der CDU Sachsen, sondern legte in dieser durchaus auch eine Karriere hin: Schon vor seiner Parteizugehörigkeit war Nitzsche Bürgermeister der Gemeinde Oßling, bereits 1994 saß er für die CDU im sächsischen Landtag. Ab 2002 und bis zu seinem Austritt aus der Partei saß er für diese sogar im Bundestag. In seinem Wahlkreis Kamenz – Hoyerswerda – Großenhain erhielt er 2005 34,5 % der Wähler*innenstimmen. Zu diesem Zeitpunkt war sein Rechtsdrall sowohl der Partei als auch der Öffentlichkeit bekannt. Im Jahr 2003 äußerte Nitzsche, „Eher wird einem Moslem die Hand abfaulen, als dass er bei der Christlich-Demokratischen Union sein Kreuz auf den Wahlzettel macht.“ Seine Wahl zum Bundestagsabgeordneten bewarb er mit dem Slogan „Arbeit, Familie, Vaterland“, der nicht nur Wahlspruch des französischen Vichy-Regimes war, sondern 2004 auch von der NPD verwendet wurde.

Abgrenzung nach Rechts? Fehlanzeige.

Die Liste der menschenfeindlichen Äußerungen Henry Nitzsches lässt sich durch seine gesamte Abgeordnetenzeit hindurch ebenso fortführen wie die Anlehnungen an neonazistische Parteien. Gestört? Hat es wohl schon, doch selbst sein Zetern über angebliche „Multi-Kulti-Schwuchteln“, die Deutschland regieren würden, führte nicht zum Parteiausschluss.

Im Dezember 2006 verließ Nitzsche eigenständig die CDU, um zwei Jahre später bei der sächsischen Landtagswahl als Direktkandidat anzutreten. Mit tatkräftiger Unterstützung der NPD erreichte er fast 20 % der Wähler*innenstimmen – doch der Wahlkreis Kamenz blieb der CDU treu und wählte Frank Hirche in den Landtag.

Rund um Bautzen und Kamenz blieb Nitzsche politisch aktiv, wollte das Amt des Oberbürgermeisters von Kamenz erlangen und – mit Blick Heute fast schlechter Scherz – Ausländerbeauftragter der Stadt Bautzen werden. Auch die Stelle des Landrats des Kreises Bautzen lockte Nitzsche, blieb ihm mit 13,2 % der Stimmen jedoch verwehrt. Dass im Bautzener Landratsamt heute CDU-Männer sitzen, die sich regelmäßig mit der dortigen NPD-Spitze und neonazistischen Kameradschaften treffen, dürfte ihm jedoch gefallen.

Ob es die sächsische CDU interessiert, dass ihre ehemaligen Mitglieder hier in Schnellroda vor Neonazis und Neurechten referieren? Wir glauben es kaum, und viel mehr daran, dass uns in Zukunft noch ähnliche politische Karrieren wie die Krahs und Nitzsches begegnen werden. Und freuen uns einmal mehr, dass es Menschen gibt, die ihnen lautstark widersprechen! Hier in Schnellroda, dem Ort, den die Neue Rechte so gern als ihre ungestörte Schaltzentrale verstehen will, ist unser deutlicher Protest enorm wichtig!

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Nitzsche
http://www.sz-online.de/sachsen/ein-rechter-populist-erfindet-sich-neu-752447.html
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rechtslastige-aeusserungen-cdu-parlamentarier-nitzsche-von-kreisvorsitz-zurueckgetreten-a-453266.html

Keine Ruhe dem IfS – am 16.09.2017 in Schnellroda protestieren!

Für die Freiheit und gegen den autoritären Wahn! Am 16. September geht es wieder einmal nach Schnellroda – dem IfS keine Ruhe lassen!

Unsere Freund*innen von NoHalgida und dem Bündnis Aufstehen gegen Rassismus Mitteldeutschland organisieren auch diesmal den Protest gegen die völkisch-nationalistische „Bildungsveranstaltung“[1], dem wir uns selbstverständlich anschließen.

Die harten Fakten:

  • Die „Sommerakademie“ des „Instituts für Staatspolitik“ findet vom 15. bis zum 17. September 2017 in Schnellroda statt.
  • Die „Sommerakademie“ wird von Vertreter*innen und Vordenker*innen der neuen Rechten, allen voran Götz Kubitschek, veranstaltet und von Neonazis und Neurechten von der „Brigade Halle“ über die „Identitäre Bewegung“ bis hin zur AfD zur Vernetzung genutzt.
  • Der Protest gegen die „Sommerakademie“ findet am 16. September 2017 (Samstag) ab 14:00 Uhr in Schnellroda statt.
  • Ziel des Protestes ist, in Schnellroda keinen Rückzugsraum für rechte Ideologien zu ermöglichen und sich mit Antifaschist*innen in der ländlichen Region um Schnellroda zu solidarisieren.
  • Ab 14:00 Uhr gibt es im Ort drei Infopunkte: K2265/Str. der LPG/Hauptstraße, Müchelstr./Str. der LPG, Schnellrodaer Str. (Sportplatz)

Wie komme ich nach Schnellroda?

Schnellroda ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer zu erreichen, darum empfehlen wir, sich einer der Gruppenanreisen anzuschließen und / oder Fahrgemeinschaften zu bilden.

NoHalgida hat drei Anreisemöglichkeiten für euch.

Wenn wir diesbezüglich Neuigkeiten für euch haben, erfahrt ihr sie natürlich sogleich!

Warum ist es so wichtig, gegen das „Institut für Staatspolitik“ und seine „Sommerakademie“ zu protestieren?

Eine Woche vor der Bundestagswahl ist das Thema der „Sommerakademie“ diesmal die „Parteienherrschaft“. Ausgangspunkt der Referenten – denn es sind tatsächlich nur Männer, die beim IfS referieren – und der Teilnehmenden ist, ganz im Jargon PEGIDAs und der AfD, dass Deutschland von einem Block der „Altparteien“ oligarchisch beherrscht werde und eine Konkurrenz einzig und allein von rechts käme. Im völkisch-heldenhaften Stil sehen die Neurechten sich als Speerspitze einer rechten Bewegung, die gegen die „Parteienoligarchie“ ankämpft. Dabei begeben sie sich gegenwärtig rhethorisch in eine Opferrolle, beschwören dabei aber heroische Zukunftsaussichten des Sieges.

Während es uns fern liegt, eine kritiklose Schutzfunktion für Parteien einzunehmen, halten wir den Protest gegen ein Vernetzungstreffen neurechter und neonazistischer Gruppen, die in Kampf- und Kriegsszenarien die Umsetzung ihrer menschenfeindlichen Ideologien erträumen, für ungeheuer wichtig.

Das „Institut für Staatspolitik“ bietet mit seinen Sommer- und Winterakademien regelmäßig einen Treffpunkt für völkisch-nationalistische Rechte, vom Identitären Straßenprügler bis hin zum AfD-Landtagsabgeordneten[2]. Die Identitäre Bewegung fiel zuletzt immer wieder in den albernen Schein der schlechten Verlierer, sei es mit einer erst gescheiterten, dann eskalierten Demonstration in Berlin[3] oder einem Seefahrtsprojekt zur Geflüchtetenabwehr auf dem Mittelmeer[4]. Dennoch ist festzustellen, dass die rechtsradikale Jugendgruppierung europaweit einen festen strammrechten Kader zusammenzieht und ihre Aktionen sich von gewaltvollen Inszenierungen zu tatsächlich umgesetzter Gewalt wandeln. Nach Misserfolgserlebnissen und dem Abflauen des Wirbels um ihre anfänglich medienwirksamen Aktionen bleibt in der IB ein kleiner, aber umso härterer Kern, der sich fest in Szenarien von Bürgerkrieg, Opfertum und Machtergreifung eingegraben hat[5] und dessen Bereitschaft steigt, sein narzisstisches Geltungsbedürfnis und seine völkischen Fantasien in Taten umzusetzen, die Menschenleben kosten[4]. Mit einem identitären Hausprojekt in der Hallenser Innenstadt unterstützen Götz Kubitschek und seine „Ein Prozent“-Bewegung einen Teil dieses verbliebenen harten Kerns direkt[6].

Die AfD scheint sich derweil im Gewirr der Bundestagswahl, im Neuland des Demokratischen Prozesses, zu verrennen. Doch letzten Endes bleibt auch der peinlichste Fernsehauftritt eine Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu generieren, Geschichten zu spinnen und sich in die klassische Geschichte des unterdrückten Opfers zu dichten, das letzten Endes doch siegreich hervorgehen will. Während Gaulands Säuberungsäußerung eine neue Zuspitzung der menschenfeindlichen Rhetorik der AfD darstellt, wird diese aber ebenso wenig zurück genommen und führt ebenso wenig zu Konsequenzen wie die offenkundige Teilnahme des AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider bei den Protesten gegen Kanzlerin Merkel in den vergangenen Tagen[7]. Tillschneider war bereits bei vergangenen Akademien in Schnellroda vor Ort und trat dort ebenso bereits als Referent in Aktion[8] wie sein Parteikollege Björn Höcke[9], der dort 2015 seine „Lehre von Menschentypen“ propagierte.

Wenn es in der diesjährigen Sommerakademie um die „Herrschaft der Parteien“ geht, ist die AfD von diesem Vorwurf selbstverständlich ausgeschlossen, sondern gilt als parlamentarischer Arm der völkischen Bewegung. Auffällig ist, dass sich unter den Referenten nach Maximilian Krah im November 2016[10] mit Henry Nitzsche erneut ein ehemaliger sächsischer CDU-Politiker befindet[11].

Aus all diesen Gründen werden wir am 16. September nach Schnellroda fahren, dort mit aller Deutlichkeit gegen die neofaschistische Veranstaltung protestieren und natürlich auch von dort berichten. Wir rufen alle engagierten Antifaschist*innen auf, ebenfalls nach Schnellroda zu fahren, die Menschen, die sich vor Ort gegen das rechte Treiben einsetzen, zu unterstützen und dem IfS keine Ruhe zu lassen!

Aktuelle Infos

Facebook:  Keine Ruhe dem IfS – Für die Freiheit – gegen autoritären Wahn!

Twitter: #Schnellroda / #Sr1609 / @NoHalgida / @Schnellroda16

Originalbild: Caleb Woods

  1. https://nohalgida.wordpress.com/sr1609/ []
  2. http://www.mdr.de/investigativ/rueckblick/exakt/afd-neue-rechte-100.html []
  3. http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2017/06/17/identitaere-bewegung-scheitert-mit-aufmarsch-in-berlin_23955 []
  4. https://jungle.world/artikel/2017/35/rechte-auf-see [] []
  5. http://vonnichtsgewusst.blogsport.eu/2017/05/14/avantgarde-oder-doch-eher-am-arsch-vom-freien-fall-der-identitaeren-bewegung-oesterreich/ []
  6. https://lsa-rechtsaussen.net/ein-identitaeres-haus-fuer-die-kontrakultur-halle/ []
  7. https://twitter.com/LetKiser/status/905758509651910657 []
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Thomas_Tillschneider []
  9. http://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/AfD-Hoeckes-Lehre-von-Menschentypen,hoeckeslehre100.html []
  10. http://kaltland.blogsport.eu/redebeitraege/so-geht-saechsisch-maximilian-krah-und-die-cdafd/ []
  11. https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Nitzsche []

Ein Blick nach vorn und einer zurück – der erste Mai in Halle und Leipzig

Halle – 2017

Neben dem Auftritt der militanten Nazipartei der „III. Weg“ in Gera[1] konzentrierte sich der Auftritt der Nazis am 1.Mai 2017 vor allen Dingen auf Halle. Nachdem es im letzten Jahr aufgrund in Plauen zu einem Zerwürfnis zwischen dem „Antikapitalistischen Kollektiv“ der „Autonomen Nationalisten“, die die Eskalation suchen, und den Flaggenfetischist*innen vom „III. Weg“ kam, schloß sich das AKK diesmal dem Aufmarsch der anderen neonazistischen Kleinstpartei „Die Rechte“ an, die in Halle ihr Glück versuchte[2].

Ein Großteil der antifaschistischen Mobilisierung konzentrierte sich daher entsprechend auf Halle. Unter den Mottos #nicetobeatyou  und Naziaufmarsch in Halle? Läuft nicht! riefen Antifaschist*innen zum Protest auf. Auch die Zivilgesellschaft hat sich in Halle in erfreulicher Breite gegen den Naziaufmarsch positioniert. Aus Leipzig folgten mehrere hundert Unterstützer*innen den Aufrufen von Prisma, Leipzig nimmt Platz und der Antifa Klein-Paris[3].

Das Konzept sah vor, mit unterschiedlichen Demos großräumig das Gebiet des Bahnhofs zu umschließen, der den Nazis von der Stadt als Ausgangspunkt zugewiesen war.

Die Demonstration vom Rannischen Platz zog Richtung Merseburger Straße, wo es zu einem Durchbruch kam, der von der Polizei nicht aufgehalten werden konnte, sodass mehrere hundert Menschen auf der Merseburger Straße / Ecke Raffinierie-Straße Stellung beziehen konnten[4], und von dort aus weiter in die Raffiniere-Straße, um dort eine weitere Blockade zu errichten.

Die Polizei konnte den Durchbruchsversuch nicht stoppen, hielt aber den hinteren Teil der Demonstration mittels zum Teil massivem Einsatz von Pfefferspray kurzzeitig auf. Durch den erfolgreichen Durchbruch waren schon frühzeitig die Route der Nazis und etwaige Ausweichrouten komplett besetzt[5],[6],[7].

Nix zu machen für die Nazis, die parallel dazu entschieden hatten, sich nicht von der Polizei am Bahnhof kontrollieren zu lassen[8], was dazu führte, dass letztendlich überhaupt keine Demonstration zustande kam. Nach einer kurzen Zeit der Verwirrung, nachdem die Polizei Ausweichdemonstrationen untersagt[9],[10] und die deutsche Bahn mitgeteilt hatte, keine größere Gruppe Nazis zu transportieren[11], entschieden sich die Rechten, zumindest eine Standkundgebung am Bahnhof abzuhalten – unter Ausschluss der Öffentlichkeit[12]. Zu diesem Moment war die Versammlung der Rechten, die mit 500 Teilnehmer*innen auf einem engen Areal standen von Polizei und Gegendemonstranten umschlossen.

Bis dahin war der Tag halbwegs friedlich verlaufen. Dies sollte sich mit Ende der Kundgebung ändern. Ein Teil der Nazis, darunter jene mit der prägnanten Aufschrift „Aryans / Support your Race“, die bereits zuvor am 18.03. in Leipzig aufgefallen waren[13], unternahmen noch am Bahnhof einen Ausbruchsversuch[14], der auch dank entschiedener antifaschistischer Gegenwehr unterbunden werden konnte[15],[16],[17].

Im weiteren Verlauf des Tages versuchten etwa 150 Nazis in Apolda ihre Demonstration nachzuholen. Nach eintreffen der Polizei wurde diese gezielt unter Beschuss genommen. Nachdem das Antikap Kollektiv auf Twitter großspurig verkündet hatte, dass man sich die Straße nicht nehmen lassen, landeten 103 Nazis zunächst im polizeilichen Gewahrsam[18].

Die bereits erwähnte Gruppe mit der Aufschrift „Aryans“ eskalierte zuvor noch bei der Abreise aus Halle und griff mit Totschlägern und Pfefferspray eine Gruppe unbteiligter Jugendlicher an. Dabei wurden 2 Personen schwer verletzt[19]. Die Gruppe der Angreifer ist inzwischen weitgehend bekannt[20],[21],[22].

Fest steht: Den Antifaschist*innen ist am 1. Mai in Halle genau das gelungen, was geplant war: Den Nazi-Aufmarsch zum Desaster machen[23]!

Polizeikette bei #Hal0105
Am 1. Mai gelang es Antifaschist*innen in Halle, die Polizeikette zu durchbrechen und den geplanten Nazi-Aufmarsch komplett zu blockieren.

Leipzig –  2018

Bereits mit Ablauf des 1. Mai 2017 in Halle wurden die zentrale Facebook-Seite der Rechten auf Leipzig 2018 umgeschaltet. Diese Anmeldung ist inzwischen bestätigt. Ausweislich der vorliegenden Anmeldung will „Die Rechte“ mit Vorturner Christian Worch, die bereits am 18.03. hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren, vom Bahnhofsvorplatz in Leipzig bis zum Völkerschlachtdenkmal laufen, was sehr stark an den Beginn der 2000er Jahre erinnert als Worch mehrfach jährlich versuchte diese Strecke zu nehmen[24].

Abzuwarten bleibt wie die Mobilisierung der Rechten ausfällt. Nachdem sich „Antikapitalistische Kollektiv“ und der „III. Weg“ bereits 2016 zerstritten hatten und auch 2017 sehr unterschiedlicher Auffassung zu sein schienen, ob es denn nun zu einem Nazi-Aufmarsch gehören solle, „Antifa-Hurensöhne“ zu grölen, zu rauchen und Jogginghosen zu tragen oder man stattdessen auf „ernsthaftere“ Uniformierung und Ritualhaftigkeit setzt[25], bleibt die Frage offen, ob das „Antikapitalistische Kollektiv“ nach dem Desaster in Halle erneut die Rechte unterstützen wird oder einen eigenen Weg geht.

Anders als in Halle wird man für Leipzig auch mit einem anderen Kräfteeinsatz der Polizei rechnen müssen. Während in Halle am 1. Mai 2017 nur etwa 700 Beamt*innen im Einsatz waren, sicherte die Polizei am 18. März 2017 in Leipzig mit mehr als 2500 Einsatzkräften, Wasserwerfern und Räumpanzern die Route ab[26]. Anders als in Halle war die Polizei in Leipzig zuletzt stets darum bemüht rechte Aufmärsche, solange sie nicht nach Connewitz führen, ans Ziel zu bringen.

Um dieses Szenario zu verhindern braucht es eine große Mobilisierung. Wenn es nach uns geht, werden die Nazis direkt am Aufmarschpunkt ihrer Route blockiert, laufen keinen Meter und erhalten erst gar keine Chance, ihr Weltbild in Gewalt umzuwandeln.

Das Hallenser Konzept, mit mehreren aufeinander eng abgestimmten und verzahnten Demos die Umgebung zu blockieren, könnte sich auch in Leipzig als erfolgreich erweisen.

Bis dahin bleibt aber noch einiges zu tun. Denn gerade in Leipzig dürfte es aufgrund des zu erwartenden massiven Polizeieinsatzes mehr Menschen bedürfen, die entschlossen und solidarisch handeln.

  1. http://kaltland.blogsport.eu/reiseberichte/reisebericht-1-mai-in-gera-die-provinz-aufwuehlen/ []
  2. http://jungle.world/artikel/2017/16/schlechte-erinnerungen-halle []
  3. https://jungle.world/artikel/2017/18/nazis-ohne-worte []
  4. https://twitter.com/SelinaS98/status/858991239437398016 []
  5. https://twitter.com/newsphotoDE/status/858988149753753600 []
  6. https://twitter.com/johannesgrunert/status/858988171606056960 []
  7. https://twitter.com/reneloch/status/858984032935313408 []
  8. https://twitter.com/M000X/status/859003915853017089 []
  9. https://twitter.com/HalleBlockt/status/859009236428312576 []
  10. https://twitter.com/HalggR/status/859001887038857216 []
  11. https://twitter.com/newsphotoDE/status/858997654621126658 []
  12. https://twitter.com/johannesgrunert/status/859002023831887873 []
  13. https://twitter.com/herderpark/status/861202690524753924 []
  14. https://twitter.com/c_hedtke/status/859023315704442880 []
  15. https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1315611771825924&set=a.149262575127522.37050.100001313427143&type=3&theater []
  16. https://twitter.com/johannesgrunert/status/859024113704349696 []
  17. https://twitter.com/reneloch/status/859023052247576576 []
  18. http://www.thueringen24.de/thueringen/article210425203/Grossangriff-auf-Polizei-in-Apolda-100-Festnahmen.html []
  19. http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2017/05/02/versuchter-totschlag-nach-naziaufmarsch-in-halle_23621 []
  20. http://www.fr.de/rhein-main/uebergriffe-in-halle-polizei-ermittelt-gegen-hessische-rechtsextreme-a-1270569 []
  21. https://linksunten.indymedia.org/de/node/212012 []
  22. https://twitter.com/c_hedtke/status/859081055277658112 []
  23. https://nicetobeatyou.wordpress.com/2017/05/02/press-review/ []
  24. http://www.l-iz.de/leben/gesellschaft/2017/05/Neonazipartei-%E2%80%9EDie-Rechte%E2%80%9C-will-am-1-Mai-2018-zum-Voelkerschlachtdenkmal-laufen-177721 []
  25. https://twitter.com/SoerenKohlhuber/status/858983149438631937 []
  26. http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Liveticker-Der-Demo-Sonnabend-in-Leipzig []

Eine Landpartie oder warum Schnellroda nicht auf Ziegen reduziert werden sollte.

Schnellroda 17.02. – Ein Reisebericht

Teil 1

„Ein Tag Urlaub auf dem Bauernhof“ – das eher spaßige Motto unserer frühen Reisegruppe wird Wirklichkeit, als wir gegen 13:00 Uhr in Schnellroda ankommen. Der erste Anblick, den das Dorf uns präsentiert, ist eine Gans auf einem Schuppendach, umgeben von hüpfenden Rehen. Eine Landpartie oder warum Schnellroda nicht auf Ziegen reduziert werden sollte. weiterlesen

IfS dicht machen! – Neue Rechte alt aussehen lassen! 

Eine Übersicht findet ihr hier: kaltland.blogsport.eu/SR1702

Vom 17. bis zum 19. Februar 2017 findet im Dörfchen Schnellroda die „17. Winterakademie“ des „Instituts für Staatspolitik“ statt. Neurechte Publizist*innen um Götz Kubitschek (Verlag Antaios) und Ellen Kositza (Blaue Narzisse), die Identitäre Bewegung und weitere Verfechter*innen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit wollen dort das Thema Gewalt diskutieren.
Weshalb dies nichts als blanker Hohn und Spott ist, erklärt der Aufruf des Bündnisses Aufstehen gegen Rassismus Mitteldeutschland sehr gut[1]. IfS dicht machen! – Neue Rechte alt aussehen lassen!  weiterlesen

  1. facebook.com/aufstehengegenrassismusmd/posts/1184668991588393 []