Gegen die JN-Demo in Chemnitz am 06.03.2016

„Oma, Opa, Onkel Peter – Keine Opfer, sondern Täter“

…war einer der vielen Rufe, die am 6. März die Chemnitzer Innenstadt erfüllten. Grund war ein Trauermarsch, den die JN Chemnitz dort angemeldet hatte und in dessen Rahmen sich Neonazis dem Opfermythos hingeben, das Volk und die Nation feiern wollten. Etwa 500 Antirassist_innen ließen dies nicht zu. Auch wenn es nur bei Blockadeversuchen blieb, da die Polizei noch zahlreicher vor Ort war, konnte das völkische Trauerspiel nicht ungestört stattfinden. Das Bündnis Chemnitz Nazifrei hatte an drei Punkten Gegenprotest angemeldet, zu denen sich alle Protestierenden in lautstarken Demonstrationszügen bewegten.

Und die Neonazis so? Ein Zug von 100 bis 120 Personen, die ihr Opferszenario mit betretenen Blicken, schlurfendem Gang und am Ende des Marsches sieben Fackeln – für die hinteren Reihen waren nur vereinzelte Teelichter übrig – durch die Stadt trugen. Ernsthaft albern (und offensichtlich) wurde der inszenierte Trauermarsch jedes Mal, wenn er dem Gegenprotest begegnete und die Hooligans in den hinteren Reihen aggressiv wurden, Drohgebärden machten und teilweise von der Polizei zurückgehalten werden mussten, die Protestierenden anzugreifen.

Insgesamt: Auch mit „#vergissmeinnicht“ in Nipster-Optik konnten die Jungen Nationalen nicht mehr als die üblichen Völkischen auf die Straße bringen, die sich zum Teil aus dem Hooliganspektrum rekrutierten. Die antirassistischen Bündnisse Chemnitz‘ haben für einen starken Protest gesorgt, dem sich mehrere hundert Menschen verschiedenster Gruppen anschlossen – Renter_innen, Kinder, Politiker_innen und lautstarke Jugendliche lieferten den Neonazis Seite an Seite die angebrachte kritische Begleitung für ihren Aufmarsch. Auf der zentralen Kundgebung, die zwischen den direkten Gegenprotestaktionen immer wieder aufgesucht werden konnte, sorgte die Band für nette Atmosphäre. In Redebeiträgen wurde treffend formuliert, dass auch gegen neurechte völkische Bewegungen, wie PEGDA und die AFD, Widerspruch nötig ist. Diese unterscheiden sich zwar in Auftreten und Habitus von den Neonazis der JN und NPD, folgen aber letztendlich der gleichen antidemokratischen Ideologie einer Volksgemeinschaft.

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