Jack und die starken Männer – ein Maskulinist in Schnellroda

Dieser Beitrag wurde auf der Demo  IFS DICHT MACHEN! – NEUE RECHTE ALT AUSSEHEN LASSEN!  am 17.02.17  in Schnellroda  gehalten.

Wie sieht das eigentlich aus bei diesem „Institut für Staatspolitik“, wenn völkische Nationalist*innen aufeinander treffen und ein Wochenende lang Ferien auf dem Bauernhof machen? Schaut man sich den Instagram-Account von Jack Donovan an, so kommt die Vermutung auf, dass mindestens eine von Kubitscheks Ziegen dran glauben muss und auch die Tiere in umliegenden Wäldern um ihr Leben fürchten müssen. Als Oberbekleidung dient ein Fell, dass allerdings höchsten übergeworfen werden darf, wenn man sich ein paar hundert Meter vom nächsten Lagerfeuer oder Opferritual entfernt aufhält. Apropos man: Das Wort ist hier beim Namen zu nehmen, denn es sind ausschließlich Männer, die von Zeit zu Zeit diskutieren, sich aber vorrangig mit Runen bemalt zum maskulinen Fight Club auf kargen Waldlichtungen treffen. Die Ästhetik, die Jack Donovan lebt und propagiert, scheint zunächst skurril. Das erschreckende ist jedoch, dass sie Blaupause seiner Ideologie ist, die er hier am Samstagmorgen um 9:00 Uhr unter dem Titel „violence is golden“ vorstellt.

Von Männerbanden und Eigentum

Jack Donovan ist bekennender „white nationalist“, „Anarcho Faschist“ und „Racialist“, von Racialism, was sich grob als „wissenschaflticher Rassismus“ übersetzen lässt, und Maskulinist [1]. Er vertritt ein hegemoniales Männlichkeitsbild, das vollkommen auf Macht und Dominanz fixiert ist. Dies lebt er innerhalb der neonazistisch-paganistischen Gruppierung „Wolfes of Vinland“ aus, in der männliche Identität durch interne Schlägereien à la Fight Club wiederhergestellt wird [2]. So albern dieses Bild auf den ersten Blick erscheinen mag, handelt es sich dabei nicht um eine kleinkriminelle Bande mit Hang zum Völkischen, sondern um eine stramme Organisation mit klar faschistischer Ideologie. Der Name der Unterorganisation „Operation Werewolf“ ist nicht zufällig deckungsgleich mit Hitlers „Operation Werwolf“ und viele ihrer Mitglieder tragen Nazi-Symbole wie Hakenkreuze, Schwarze Sonnen und SS-Runen auf ihrer Kleidung oder als Tattoo.
Im Stammesdenken der Gruppe geht es vor allem um Stärke, Macht und Dominanz und um Gewalt, deren Ausübung mit männlichen Energien und Trieben gerechtfertigt wird. Und natürlich mit dem Schutz des „Eigenen“: Gewalt durch als „fremd“ wahrgenommene Gruppen wird strikt abgelehnt. Im Einklang mit sämtlichen neofaschistischen Gruppierungen äußert Donovan sich besorgt über „brutale Gewalt gegen Frauen […], die in vielen nichteuropäischen Gruppen üblich“ sei [2]. In der eigenen Männerbande dagegen sind Frauen nichts weiter als bloßer Besitz des Mannes und Mittel zur Fortpflanzung. Männer müssen demnach „zusehen, wie sie in den Besitz von Frauen kommen und Zugang zu ihrer Fortpflanzungsinvestition erhalten“ [2]. Sexualität ist dabei bloßer „physisch-biologischer Überlebens- & Ressourcenkampf“.

Feminismus als Feindbild

Es verwundert nicht, dass eines der größten Feindbilder Donovans der Feminismus ist. Feministen „klagen und nörgeln sich überall ein“ und zerstörten so nach und nach alles Freiheitliche, bis nur noch wenige geheime Posten übrig seien [3]. Donovans ideales Gesellschaftsbild sieht sich von der Gleichstellung der Geschlechter angegriffen, da jeglicher Wettbewerb, an dem Frauen partizipieren, für die Männer, zwischen denen er stattfinden sollte, sofort seinen Wert verliert. Männer stehen in permanentem Kampf um Dominanz, sei es durch körperliche Gewalt oder aber durch Kompetenzen. Jede gesellschaftliche Aktivität wird hier zum Konkurrenzkampf erhoben und gleichermaßen entwertet, wenn eine Frau sie vollführt. Donovans simple Lösung: Die gesellschaftliche Partizipation der Frau wird auf Fortpflanzung und Mutterschaft beschränkt [1].
Weiterhin agitiert Donovan gegen die amerikanische Schwulenszene – angesichts dessen, dass er selbst bekennender Homosexueller ist, eine verwunderliche Aussage. Er setzt sich intensiv dafür ein, dass homosexuelle Männer ihre schwule Identität ablegen, da sie mit Feminismus, linker Politik und Verweichlichung einhergehe. Donovan selbst nutzt daher für das sexuelle Interesse an erwachsenen Männern den Begriff der „Androphilie“ [1].

Donovan, PEGIDA und die AfD

Dass Donovan mit diesen Argumentationsmustern die zarten Pflänzlein völkischer Egos zum Blühen bringt, weiß, wer die Inhalte der neurechten Bewegung kennt. Die Forderung nach mehr Männlichkeit ist „zentrales Merkmal der reaktionären Bewegung, die mit der AfD ihren parlamentarischen Arm gefunden hat“ [4]. So fordert auch Björn Höcke: „Wir müssen unsere Männlichkeit wieder entdecken. Denn nur wenn wir unsere Männlichkeit wiederentdecken, werden wir mannhaft. Und nur wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft, und wir müssen wehrhaft werden“ Die Forderung nach dem Schutz der Frau vor ausländischstämmigen Personen, die häufig mit Begriffen wie „Horden“ entmenschlicht werden, geht auch in PEGIDA-Reden stets mit der Entwertung der Frau in der eigenen Gruppe einher, die sich in das antifeministische Rollenbild einfügen soll und schon mal als „Weib“ bezeichnet wird.

Logisch?

Logisch? Ist das alles nicht, soll es auch nicht sein. In der antifeministischen und rassistischen Argumentation neurechter Maskulinisten wird auf jede mögliche kognitive Dissonanz der Kniff der Retorsion angewandt, mit dem eine privilegierte Gruppe sich die Opferrolle zueigen macht. Dabei wird das Argument einer Behauptung für den Beleg der gegenteiligen Behauptung angeführt. Was hier so kompliziert klingt, macht die Welt der Neurechten umso einfacher: Mit dem Kniff, sich als weißer Mann als Opfer von People of Color oder Feminist*innen, die Gleichberechtigung einfordern, darzustellen, rechtfertigt Donovan beispielsweise rassistische und frauenfeindliche Gewalttaten. Mit der Negierung der eigenen privilegierten Position gelingt es auch einem Björn Höcke, in Dresden einen schicken Saal voller mittelständischer weißer Rentner zu Opfern der Minderheit von Geflüchteten werden zu lassen, die derweil mit minimaler Selbstbestimmung von Abschiebung und Gewalt bedroht leben.

Die Gewalt der Männer

Jack Donovans „Der Weg der Männer“ erschien auf deutsch 2012 in Kubitscheks „Verlag Antaios“ und dient seither Neurechten, Antifeminist*innen und Verschwörungstheoretiker*innen zur Rechtfertigung ihres menschenverachtenden Weltbilds bis hin zu daraus motivierten Gewalttaten. Wir können nicht sagen, das „Institut für Staatspolitik“ offenbare sich erst heute als Netzwerk eindeutig faschistischer Ideologien, doch es macht mit der Einladung Donovans als Referent deutlich, dass mittlerweile auch die Fassade egal ist. Wenn am Samstagvormittag auf Donovans Vortrag „Violence is Golden“ das Geschwurbel Martin Sellners über die Gewaltfreiheit der Identitären Bewegung – die dieser erst kürzlich selbst widerlegte [5] – folgt, dann nicht etwa, um sich kritisch mit der eigenen Aktionsform auseinanderzusetzen, sondern um mit Redundanz die eigene Opferrolle, die eigene Legitimation für Gewalt zu festigen.

[1] http://rosecityantifa.org/articles/the-wolves-of-vinland-a-fascist-countercultural-tribe-in-the-pacific-northwest/
[2] https://biwaz.files.wordpress.com/2016/08/rezension-weg-der-macc88nner1.pdf
[3] http://www.identitaere-generation.info/die-letzte-zuflucht-jack-donovan/
[4] http://sprachlos-blog.de/afd-die-schlacht-der-letzten-maenner/
[5] http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2017/02/04/chef-der-identitaeren-bewegung-schiesst-um-sich_23035

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